Die Kommunalka – die Gemeinschaftswohnung – ist die typischste Wohnform in St. Petersburg: Eine Stadt prächtiger Mietshäuser wurde nach der Revolution als erste „verdichtet“, und sie entdichtet sich bis heute langsamer als jeder andere Ort. Hinter den repräsentativen Fassaden der Innenstadt verbergen sich Wohnungen mit fünf, zehn oder sogar zwanzig Zimmern und einer gemeinsamen Küche – kein Museumsrelikt, sondern der alltägliche Lebensraum tausender Bewohner. Hier erfährst du, woher die Kommunalkas stammen, wie eine echte aussieht – und ob Besucher sie von innen erleben können, ohne Grenzen zu überschreiten.
Woher sie stammen
Vor der Revolution war das Zentrum St. Petersburgs mit Mietshäusern bebaut: Wohlhabende Familien mieteten riesige Wohnungen mit zehn bis fünfzehn Zimmern – mit Arbeitszimmern, Dienstbotenquartieren und Enfiladen verbundener Räume. Nach 1917 wurden diese Wohnungen „verdichtet“: eine Familie pro Zimmer, Küche und Bad für alle. So entstand die Wohnform, in der die Hälfte der Stadt aufwuchs – und mit ihr ein großer Teil der Petersburger Literatur und des Kinos.
Wie eine echte aussieht
- der Flur – lang und halbdunkel, ein Relikt der einstigen Enfilade; Fahrräder, Ski und Schränke aus allen Epochen säumen die Wände;
- die Küche – der wichtigste Gemeinschaftsraum: mehrere Herde und Tische, einer pro Familie, ein Putzplan an der Wand;
- die typischen Details: mehrere Klingeln am Eingang (eine pro Familie), Stromzähler in Reih und Glied, stuckverzierte Decken über freiliegender Verkabelung;
- und die Höhe: Vier-Meter-Decken und palastartige Fenster erinnern daran, für welchen Lebensstil all das einst gebaut wurde.



